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Kritisieren und der Umgang mit Kritik

Umgang mit Kritik | Hypnose Hamburg

Was wir bei anderen wahrzunehmen meinen, entspricht nicht immer der Wahrheit. Denn mit unserer subjektiven Brille sehen wir immer nur einen Teilaspekt der Person und ihres Handelns in Verbindung mit spezifischen Situationen, deren Hintergründe wir nicht vollständig kennen und verstehen können. Wenn wir Kritik am anderen üben oder mit Kritik umgehen müssen, sollte das daher mit Bedacht und unter Einhaltung der Standards einer demokratischen Streitkultur geschehen.

Die allererste Frage, die man sich selbst in diesem Zusammenhang stellen kann, lautet: Habe ich alle objektiven Informationen, um meine finale Ansicht zu äußern? In der Regel ist das nicht der Fall. Anzunehmen die Sachlage sei klar, wäre dann vermessen. Gerade deshalb ist es bei Unklarheiten empfehlenswert, erst einmal in einen wertfreien und direkten Dialog mit dem anderen zu gehen, anstatt vorschnelle Kritik zu verlautbaren. Doch wie übt man Kritik und wie lässt sich mit ihr umgehen?

Kritik auf solide Weise äußern

Für den nicht bewertenden, akzeptierenden und beobachtenden Blick auf den anderen braucht es ein gewisses Maß an innerlicher Gelassenheit und Gleichmut. Sei es in der Beziehung zwischen zwei Freunden, in der Partnerschaft, zwischen Eltern und Kindern, Chefs und Mitarbeitern oder Coaches und Klienten. Oft kommen uns Gelassenheit und Gleichmut aber abhanden, wenn unsere persönliche emotionale Ladung dazwischen funkt. Etwa weil ein Gefühl bereits längere Zeit unterdrückt wurde, weil Vermutungen und Konflikte nie richtig ausgesprochen oder hinterfragt wurden und sich aufgestaut haben oder weil jemand wesensbedingt zu einem impulsiven und unüberlegtem Temperament neigt.

„Mir ist aufgefallen, dass du dich von mir distanzierst.“, „Bei mir ist der Eindruck entstanden, dass du etwas von mir kopiert hast.“, „Ich habe das Gefühl, dass du mir keinen Raum zugestehst.“ So könnte der Einstieg in eine solide Form von Kritik lauten, in Verbindung mit konkreten Beispielen, die das Gesagte belegen.

Das heißt also, bei sich, präzise und sachlich bleiben. Und die wichtigste Frage stellen: „Wie ist deine Wahrnehmung dazu?“. Denn ohne Perspektivwechsel, Offenheit für Gegenargumente und Empathie, die sich im direktem Austausch und situationsbezogen ergeben, können wir die Lage nicht klar und unterscheidungsfähig beurteilen. 

Was soll mit der Kritik erreicht werden?

Es gibt zwei Formen von Kritik: Die konstruktive, die uns dabei helfen soll, zu wachsen und uns weiterzuentwickeln und die destruktive, die uns abwertet, erniedrigt und in extremen Fällen gar vernichten will.

Die konstruktive Kritik gibt Raum für einen gemeinsamen Austausch auf Augenhöhe, einen sinnvollen Dialog. Dann ist es möglich, die Dinge unaufgeregt klarzustellen, gemeinsam zu einem Konsens zu kommen, Missverständnisse zu klären oder Fehler einzuräumen, zu vergeben und sich zu versöhnen. Wohlwollende Kritik lässt auch die Option offen, auf friedliche Weise zu der Übereinkunft zu kommen, dass es an der Zeit ist, dass sich die gemeinsamen Wege trennen und man für das miteinander Geschaffene und Erlebte dankbar bleibt.

Destruktive Kritik dagegen baut eine Mauer auf, versperrt den Blick auf Synergien, dient offen oder versteckt dazu, dem anderen zu schaden, ihn zu verletzen, klein zu machen oder verbal zu vernichten.

Destruktive Kritik dient dem persönlichen Machtgewinn des Aussenders, der sich über den anderen erhöht und dadurch eigene Gefühle abwehrt: Selbstunsicherheit und Ängste. Zum Beispiel in Form von Neid oder Konkurrenz- und Rivalitätsangst. Tieferliegend Gefühle der eigenen Unwichtigkeit und Minderwertigkeit und des damit verbundenen Kontroll- und Machtverlusts. Das geschieht unbewusst oder aber in der Ausübung ganz gezielter manipulativer Techniken. Destruktive Kritik ist immer eine Abwehrstrategie.

Der Aussender trifft damit jedoch vor allem eines: Aussagen über sich selbst. Denn indem er versucht, andere mit seiner Kritik zu enttarnen, entlarvt und entblößt er sein eigenes Ich. Vor allem sein schwaches Selbstvertrauen. Er offenbart seine hohe Empfindlichkeit und Kränkbarkeit, seine negative Wahrnehmung und Geringschätzung der Menschen und der Welt, die er als Projektionsfläche der eigenen Versagensgefühle und zur Selbsterhöhung nutzt.

Seine Wahrnehmung ist dabei meist verzerrt und verdreht, weil sie auf eigene persönliche Prägungen, Verletzungen und Kränkungen zurückzuführen ist, die noch nicht verarbeitet worden sind und die meist in Zusammenhang mit Kontrollverlust und Ohnmacht stehen.

Die destruktive Kritik erkennt man daran, dass sie:

  • heraus platzt
  • verurteilt und verletzt
  • verallgemeinert, verabsolutiert, toto pro pars den ganzen Menschen inklusive seiner Fähig- und Fertigkeiten abwertet
  • erniedrigt, klein macht, demütigt
  • beleidigt, persönlich wird, respektlos ist
  • bevormundet, scheinheilig ist
  • vernichten will, zum Beispiel mit Beschämung arbeitet
  • bloßstellt, zum Beispiel eventuelle Schwachstellen des anderen enttarnen will
  • in aller Regel übertrieben, dramatisierend oder theatralisch ist
  • manipulieren will, zum Beispiel Ängste schüren möchte
  • den anderen in eine bestimmte Richtung bewegen will und zwar die, die für den Aussender wichtig und sinnvoll erscheint

Besonders perfide ist die destruktive Art der Kritik in ihrer feigen Form, das heißt in ihrer passiven Weise. Wenn sie versteckt oder hinterrücks geschieht. Denn dann scheint es vordergründig kein Problem zu geben. Geht der Empfänger auf die in nicht direkter Art gegebene Kritik ein, sieht der Aussender es meist als Schuldeingeständnis. Dies erschwert die Möglichkeit einer soliden und konstruktiven Klärung auf Augenhöhe enorm oder macht sie ganz unmöglich.

Häufig anzutreffen ist dieses Phänomen zum Beispiel beim so genannten Anonymschreiben und Cybbermobbing. Der Aussender scheint dann die Allgemeinheit zu kritisieren, es ist aber auf subtiler Ebene klar, dass er eine bestimmte Person meint und diese an den Pranger stellt, um sich selbst zu rächen, dadurch aufzuwerten und als vermeintlich scharfsinnig darzustellen. Oder der Kritiker bleibt vollständig anonym, was beispielsweise in Forendiskussionen oder Chatbeiträgen in sozialen Medien geschieht.

In beiden Fällen kann sich der Aussender hinter seinem Laptop verstecken und den Kontakt verweigern. Oft geht es ihm im Kern dann nicht nur um die Äußerung der Kritik an sich und um das Entwerten, sondern vor allem um die Selbsterhöhung. Zum Beispiel durch abweisende Arroganz oder bewusst zum Ausdruck gebrachte Geringschätzung. Oder dem gezielten Einsatz des Schweigens, um die eigene Gekränktheit zu demonstrieren.

Dies aus falschem Stolz und Überheblichkeit, weil der andere kein Wort mehr wert ist. Kaum eine andere Form kann die eigene Verletz- und Kränkbarkeit so stark zum Ausdruck bringen, wie das verweigern von Antworten und Rückmeldungen. Schweigen ist eine Tugend, bedeutet in sich zu gehen und tiefere Wahrheiten erkennen zu wollen – oder im höchsten Maße gekränkt zu sein.

Bei dieser Art von Kritikern handelt es sich um Ich-schwache Menschen, die unter starken Gefühlen von eigener Bedeutungslosigkeit und innerer Leere leiden und ihre Frustration über das destruktiv-kritisierende Schreiben ausleben. Um damit zugleich Wichtigkeit und Sensation in ein auf tieferer Ebene von Langeweile geprägtes Dasein zu bringen.

Immer beinhaltet die destruktive Kritik daher hauptsächlich zerstörerische, anstatt zusammenführende Elemente.

Souverän auf Kritik reagieren

Der erste Impuls auf Kritik ist meist, sich zu rechtfertigen, zu verteidigen oder zurück zu schlagen. All dies ist kontraproduktiv. Empfehlenswerter ist:

  • zuhören
  • sacken lassen
  • hinterfragen, ob das Gesagte stimmt
  • den eigenen Beitrag am Geschehen erkennen
  • gegebenenfalls Missverständnisse klarstellen
  • gegebenenfalls die eigene Perspektive schildern
  • eventuelle Fehler eingestehen
  • persönliche Erkenntnis oder Lehre daraus ziehen

Sich zu der Kritik zu äußern, Missverständnisse klarzustellen oder Fehler einzugestehen setzt voraus, dass der andere die Perspektive des anderen hören möchte und in der Lage dazu ist, Perspektivwechsel, Empathie und Akzeptanz aufzubringen. Auch seine Sichtweise unter Umständen zu revidieren.

Der destruktive Kritiker kennt die sozialen Codes jedoch nicht oder ignoriert sie. Er hat nicht gelernt, wie Kritik in seriöser Form geäußert werden kann oder ist oft schlichtweg nicht an einem Austausch auf Augenhöhe interessiert. Daher ist es in diesen Fällen ratsam, nicht auf die Kritik einzugehen.

Auf bloßstellende und vernichtende Kritik reagieren

Jeder Mensch reagiert einmal aufbrausend, vergreift sich im Ton oder vergiftet den Kontakt, wenn er sich in seinem Selbstwert bedroht fühlt. Auch gibt es beispielsweise in Partner- oder Freundschaften Phasen, die die Beziehung auf die Probe stellen und sehr alte ungelöste Konflikte in der Beziehung zum Vorschein bringen.

Solange Einsicht und Verständnis in Bezug auf das Fehlverhalten bestehen, kann das passieren, ist menschlich und bietet Raum für Wachstumsprozesse beider Parteien. Handelt es sich um generelle Boshaftigkeit und geschieht dies öfter, ist es nötig, sich abzugrenzen.

Bei Kritik, die unter die Gürtellinie geht, die beschämen, bloßstellen oder zerstören will, hat sich folgendes Vorgehen bewährt:

  • ruhig und geduldig bleiben
  • ignorieren
  • direkt ansprechen und den Kritiker konfrontieren
    Zu diesem Punkt lohnt es sich zu hinterfragen, ob man einen eventuellen Kampf führen möchte und dass man nicht in jeden Kampf zu gehen braucht. Abzuschätzen, ob sich Energie und Aufwand lohnen und dann frei zu entscheiden, wie wichtig der Kontakt für einen selbst ist
  • ausweichen und den Kontakt mit dem Kritiker reduzieren oder wenn nötig ganz abbrechen
  • gelassen bleiben

Und am Ende offen und mitfühlend bleiben. Es kann helfen, sich daran zu erinnern, dass sich der destruktive Kritiker bedroht fühlt und dass dies aufgrund von meist schwerwiegenden persönlichen Erfahrungen und seelischen Verletzungen so ist. Denn jedes Handeln hat Hintergründe, Aspekte und Intentionen, die wir nicht in ihrer absoluten Gesamtheit (er-)kennen können.

Hinweis zum Bild: Der Pfau ist ein symbolisch hoch aufgeladenes Tier. Er steht zum Beispiel für Macht und Schönheit. Sein Selbst in seiner ganzen Schönheit zu erkennen. Für Vollendung und das Rad des Lebens. Für Reichtum, die Seele und Liebe.
Und gleichzeitig für Arroganz und Überheblichkeit. Im Volksmund sagt man häufig, dass jemand sich nicht „wie ein Pfau benehmen“ oder „wie ein Pfau stolzieren“ soll, wenn dieser Jemand arrogant oder selbsterhöhend auftritt.

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