Selbstwertgefühl stärken: Hypnose bei Selbstwertproblemen

Wenn wir unsere Gedanken und Gefühle beobachten, stellen wir fest, dass wir uns selbst und andere je nach Situation oft zu negativ oder überhöht positiv bewerten. Der klare Blick auf uns selbst und andere ist dann meist überlagert von verzerrten Glaubenssätzen, deren Ursachen beispielsweise in der Kindheit liegen können. Sei es durch Übernahme der Ansichten der Menschen, die uns erzogen haben oder durch vergangene seelische Verletzungen und Kränkungen. Diese Erniedrigungen oder Erhöhungen wirken sich negativ auf unsere Wahrnehmung und unsere Verhaltensweisen aus.

Die Bewertung, die wir von uns selbst haben, hat maßgeblichen Einfluss darauf, welche Liebesbeziehungen und Freundschaften wir führen, wie wir am Arbeitsplatz zurechtkommen, wie wir mit uns selbst, anderen Menschen, insbesondere dem Partner/der Partnerin, den Kindern, Freunden und mit Konflikten im Allgemeinen umgehen.

Menschen mit Selbstwertproblemen finden sich oft in immer wiederkehrenden ähnlichen destruktiven Beziehungen oder Situationen wieder, die langfristig nicht nur seelisch, sondern auch körperlich krank machen können. Ein wichtiger Ausgangspunkt für unser Wohlbefinden ist ein positives Selbstwertgefühl. Es bildet die Grundlage für Vertrauen in die eigene Person und das eigene Leben.

Was sind die Anzeichen für Selbstwertprobleme?

Negative Glaubenssätze

Anzeichen für ein vermindertes Selbstwertgefühl sind vor allem negative innere Überzeugungen, Einstellungen und Meinungen. Die erhöhte Selbstkritik und abwertende Glaubenssätze sind dabei zentrale Aspekte.

Beispiele für Glaubenssätze, die uns erniedrigen:

Ich bin nicht gut genug.
Ich bin nicht wichtig.
Ich bin wertlos.
Ich muss lieb und artig sein/mich anpassen.
Ich darf nicht „Nein“ sagen.
Ich werde ausgegrenzt.
Ich komme zu kurz.
Ich falle zur Last.
Ich bin unterlegen.

Beispiele für Glaubenssätze, die uns überverantwortlich sein lassen:

Ich bin für deine Laune verantwortlich.
Ich muss der/die Beste sein.
Ich muss funktionieren.
Ich muss deine Erwartungen erfüllen.
Ich muss es allein schaffen.
Ich muss stark sein.
Ich darf keine Fehler machen.
Ich bin dir überlegen.
Ich bin schuld.

Diese einschränkenden Gedanken verhindern einen realistischen Blick auf unsere eigenen Fähigkeiten, Ressourcen, Leistungen und oft auch auf unser eigentliches Wesen. In diesem Dickicht von Prägungen können gute Gefühle und eine gesunde Selbstwahrnehmung schwerlich aus sich selbst heraus generiert werden. Aus diesem Grund bleiben eine positive Selbstbewertung und innerer Halt tendenziell abhängig von der Akzeptanz und Bewertung anderer. Kompensiert wird das verminderte Selbstwertgefühl zum Beispiel über:

  • Beliebtheit, erhaltene Zuneigung, gewährte Aufmerksamkeit
  • Leistung, Intelligenz oder außergewöhnliche Fähigkeiten
  • Besitz, Stärke, Macht
  • Aussehen oder Ausstrahlung
  • eigene moralische, politische oder religiöse Positionierung

Abwehrstrategien – Programme zur Vermeidung schmerzhafter Gefühle

Fühlen wir uns in unserem Selbstwert angegriffen, reagieren wir verunsichert, zweifeln an uns selbst, sind niedergeschlagen, beschämt oder gekränkt. Jeder Mensch verfügt über Abwehrstrategien, um seinen Selbstwert zu schützen, Grenzen zu setzen und sich zu behaupten. Situationsabhängig reagieren wir mit Abwehrmanövern, wenn wir uns bedroht fühlen. Das ist zunächst einmal eine natürliche und gesunde Reaktion. Problematisch wird es, wenn etwas subjektiv als Gefahr gesehen wird, das im Grunde keine Gefahr darstellt.

Bei Menschen mit geschädigtem Selbstwert haben sich mit der Zeit destruktive Glaubenssätze verselbstständigt und im Unterbewusstsein verankert. Die Personen verfallen je nach Auslöser in emotionale Reaktivierung und Abwehrprogramme. Andere Menschen und deren Handlungen werden verzerrt wahrgenommen und es haben sich Verhaltensmuster gebildet, um schmerzhafte Gefühle zu vermeiden, die hinter einem verminderten Selbstwertgefühl stecken. Die Reaktionen sind dann der Situation oft nicht mehr angemessen und übersteigen in ihrer Ausprägung ein gesundes Maß. Das führt zu vermehrten Konflikten in zwischenmenschlichen Beziehungen im Berufs- und Privatleben und zu einer grundsätzlichen seelischen Unausgeglichenheit.

Verhaltens- und Gefühlsmuster bei vermindertem Selbstwert

In der Regel wenden wir mehrere Abwehrmechanismen an und variieren sie. Eine Neigung zu der eher einen oder anderen Variante geht auf frühe Erfahrungen zurück, ist abhängig von der jeweiligen Situation und von der individuellen Wesensart. Auch Menschen mit einem gesunden und starken Selbstwert reagieren ab und zu unreif und destruktiv, zum Beispiel bei phasenweise erhöhter Belastung. Maßgeblich ist, wie häufig und ausgeprägt ein unbewusstes emotionales Programm abläuft und was subjektiv als Gefahr bewertet wird.

Neben den hier aufgeführten Varianten gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten und Kombinationen von Selbstschutz. Die Auflistung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll Programme verdeutlichen, die klassisch bei Selbstwertproblemen sind.1

Abwehrprogramm: Sich anpassen und nach Harmonie streben

Es wird versucht, Erwartungen anderer Menschen gerecht zu werden und sich anzupassen, anstatt eigene Wege zu gehen, in extremer Form bis zur Selbstaufgabe. Menschen mit Tendenz zu diesem Programm sagen oft nicht direkt, was sie fühlen, denken oder wollen. Vor allem nicht, wenn sie vermuten, damit auf Widerstand zu stoßen. Gleichzeitig herrscht oft die stumme Erwartungshaltung, die anderen müssten doch wissen, dass bereits eine Grenze überschritten ist. Diesem Programmtyp fällt es oft schwer, persönliche Wünsche zu definieren, weil die eigenen Bedürfnisse vor anderen zurückgestellt werden. Dies birgt langfristig die Gefahr, an einer Depression zu erkranken.

Gefühlsmuster: Gefühl, sich anpassen zu müssen, nicht zu genügen, unterlegen zu sein, lieb und artig sein zu müssen.

Typische Anzeichen:

  • eigene Wünsche und Gefühle unterdrücken (darunter vor allem auch die eigene Wut und Aggression darüber, dass sie es sich eigentlich ganz anders wünschen)
  • wenig bis gar keine Grenzen setzen
  • daraus resultierend passiv-aggressives Verhalten (stumme Verweigerung, stummer Widerstand, beleidigter Rückzug, Schweigen)
  • sich klein machen
  • Selbstvorwürfe, Selbstanklagen, Selbstbestrafung
  • die eigene Meinung der Meinung anderer unterordnen
  • unterwürfiges Verhalten
  • jammern, klagen
  • konfliktscheu
  • nicht loslassen können
  • übermäßiges Streben nach tiefer Verbundenheit, Verschmelzung mit anderen
  • Ja-Sager

Menschen, die tendenziell eher zu diesem Programm neigen, sind oft einfühlsam und freundlich. Sie brauchen und wünschen (tiefen) Kontakt mit Menschen. Sie sind in der Regel beständige und loyale Teamplayer und haben zum Teil ausgeprägte Fähigkeiten, sich tief in ihre Mitmenschen einzufühlen und die Bedürfnisse des anderen zu erspüren. Das macht sie zu fantastischen Menschenkennern.

Eng verbunden mit diesem Programm ist auch das Helfersyndrom. Menschen dieses Typs neigen dazu, ihren Einfluss auf den anderen zu überschätzen, sich an Menschen zu binden und an ihnen zu verausgaben, denen sie nicht helfen können, beispielsweise weil der andere keine eigene Verantwortung übernimmt und an seiner Lage selbst nichts ändern will.

Abwehrprogramm: Nach Perfektion und Kontrolle streben

Es gibt immer ein Höher, Schneller, Weiter, Besser. Neben dem Beruf werden auch Besitz, Partner- und Freundschaften sowie Hobbies dazu genutzt, den Selbstwert zu erhöhen. Bei diesem Programm besteht die Neigung, sich zu verausgaben und zu erschöpfen. Fehler geschehen ungern und werden zum Teil stark bei sich und anderen abgewertet. Es gelten hohe Ansprüche an sich und die Umwelt. Leider können die eigenen Erfolge und auch die Leistungen der Mitmenschen oft nicht wertgeschätzt und gewürdigt werden.

Gefühlsmuster: Gefühl, nicht zu genügen, nicht vertrauen zu können, alles im Griff haben zu müssen, wertlos zu sein, ausgeliefert zu sein, keine Fehler machen zu dürfen, schlecht zu sein, nichts zu taugen.

Typische Anzeichen:

  • Präzision im Arbeiten und Handeln
  • funktionieren
  • ungeduldig und unduldsam
  • Optimierungsdrang bei sich selbst sowie bei Partnern und Freunden
  • eigene Erfolge und Leistungen bei sich und anderen nicht wertschätzen können
  • penibel
  • Selbstkritik und Kritik an anderen
  • Furcht vor Neuem und Unvertrautem
  • hohe Erwartungen und Forderungen an das Leben
  • festgelegte und festlegen wollende Meinung
  • Denken in Regeln und Gesetzen (worunter kreatives, lebendiges und lebensnahes Denken leidet)
  • nachtragend
  • einengendes Auftreten und begrenzendes Denken
  • Probleme damit, Aufgaben zu delegieren
  • misstrauisch
  • Hang zum Grübeln bis Grübelzwang (es muss eine Lösung gefunden werden)
  • Schwierigkeiten, die Dinge geschehen und dem Fluss zu überlassen

Menschen mit Tendenz zu diesem Programm sind oft willensstark und ausdauernd. Sie handeln verlässlich, konsequent und lösungsorientiert. Sie können großen Halt und Führung geben. Dieser Typ ist oft verantwortungsbewusst, (selbst-)diszipliniert, beherrscht, korrekt und steht zu seiner Meinung. Ausgeprägt können auch die Fähigkeiten im Organisieren und Planen sein.

Abwehrprogramm: Angriff und Gegenangriff

Bei vermeintlicher oder tatsächlicher Kritik (auch bei konstruktiver) erfolgen schnell Gegenangriffe und Rechtfertigungen. Viele objektive Aussagen anderer werden als persönlicher Angriff gewertet. Dadurch können sich innerlich Spannung, Aggression und Wut stauen, die sich dann mehr oder weniger unkontrolliert entladen. Menschen dieses Typs fehlt es in unreifer Form oft an Bewusstheit und Einsicht für eigenes Fehlverhalten. Sie agieren in diesem Fall rücksichtlos, dominant und übermäßig selbstbezogen.

Gefühlsmuster: Gefühl unterlegen zu sein, sich nicht abgrenzen zu dürfen, zu kurz zu kommen, nicht wichtig zu sein, nicht vertrauen zu können.

Typische Anzeichen:

  • unangemessene Rebellion
  • plötzliche verletzende Schärfe
  • sich unnahbar machen
  • sich über andere erhöhen
  • übermäßig Grenzen setzen
  • überhebliches, erhabenes, arrogantes Auftreten
  • belehren, besserwissen
  • beurteilen von oben herab
  • Meinungen, Sichtweisen anderer abwerten, den ganzen Menschen abwerten
  • Schroffheit
  • sich übermäßig beschweren
  • schnelles Umschlagen von Zuwendung in feindselige Ablehnung
  • zynische Bemerkungen
  • sich für stärker, lässiger, lockerer geben, als man tatsächlich ist
  • egozentrisches, egomanisches Auftreten
  • überhöhte Erwartungshaltungen und Forderungen
  • Querulanten
  • übermäßiges Streben nach Abgrenzung und Autonomie
  • Nein-Sager

Menschen mit dieser Tendenz haben häufig eine hohe intellektuelle Wachheit, einen scharfen Verstand. Sie sind oft mehr rational und sachlich veranlagt als emotional. Zwischen Verstand und Gefühl, also zwischen Rationalität und Emotionalität, kann ein großer Unterschied im Reifegrad bestehen. Ist ihr Gefühlsleben nicht verarmt, sondern scheu zurückgehalten, dann sind sie im Grunde sehr differenzierte und sensible Menschen. Ist dieser Programmtyp egozentrisch, lebt und betont er die selbstbewahrenden Seiten und wertet primär danach, was ihm/ihr angemessen ist.

Abwehrprogramm: Nach Macht streben

Es findet ein aktiver oder passiver Widerstand statt, um in zwischenmenschlichen Beziehungen die Oberhand zu behalten und die eigene Macht zu demonstrieren. Bei diesem Programm werden die Mitmenschen unbewusst als überlegen und dominant wahrgenommen.

Gefühlsmuster: Gefühl ausgeliefert zu sein, ohnmächtig zu sein, sich nicht wehren zu können, nicht zu genügen, keine Fehler machen zu dürfen, nicht vertrauen zu können, alles im Griff haben zu müssen, zu kurz zu kommen.

Aktiver Widerstand

  • Angriff und Attacke
  • Beharren auf dem eigenen Recht
  • immer wieder in den Streit gehen
  • schreien, schlagen
  • alles muss nach dem eigenen Willen laufen
  • forderndes Verhalten (auch mehr fordern, als man selbst gibt)
  • Auf- und Gegenrechnen von Gefälligkeiten
  • pseudointellektuelle Analysen

Passiver Widerstand

  • gekränktes Schweigen*
  • stur und kompromisslos sein eigenes Ding durchziehen
  • trödeln
  • große und kleine Sabotageakte
  • stumme Verweigerung
  • Zusagen nicht einhalten oder extrem langsam umsetzen
  • mauern
  • sexuelle Lustlosigkeit
  • unterschwellige Manipulation
  • Kooperationsverweigerung

*Bei vielen zwischenmenschlichen Problemen werden durch Schweigen oft keine Lösungen gefunden und es kann zu endgültigen oder jahrelangen Kontaktabbrüchen kommen. Schweigen demonstriert dem anderen, wie verletzt man ist und gleichzeitig, dass man es nicht mehr für nötig hält, noch in Gespräche zu gehen. Schweigen ist gleichzeitig eine Kränkung und Gekränktsein. Beim Menschen, der gekränkt schweigt, wird dadurch leider verhindert, dass Missmut und Trauer gut verarbeitet werden und dass natürliche zwischenmenschliche Probleme geklärt werden können. Viele Auseinandersetzungen werden dadurch extrem verkompliziert und unlösbar gemacht. Der gekränkt Schweigende beraubt sich damit jeglicher Chance auf Veränderung und Versöhnung in zwischenmenschlichen Kontakten.2

Machtmenschen sind an sich robuste Naturelle. Sie wehren sich und bieten ihrem Gegenüber die Stirn. Für ihre Mitmenschen sind sie allerdings oft anstrengend. Typen mit ausgeprägtem Hang zu aktivem Wiederstand können in gewalttätiger Form auf andere beängstigend wirken, Gefühle von Hilflosigkeit entfachen oder große Gegenaggressionen auslösen.

Menschen, die zu passivem Widerstand neigen, können ihre Mitmenschen extrem wütend machen. Der andere fühlt sich durch diese Verhaltensweisen hilflos, weil es vordergründig keinen Konflikt zu geben scheint und der Widerständler aus der Kommunikation geht. Es kann passieren, dass dann das Gegenüber plötzlich als „der Schuldige“ dasteht, weil dieser, sich der Manipulation bewusst, ab einem gewissen Zeitpunkt in hilflosem Ärger explodiert. Sowohl beim passiven als auch beim aktiven Widerstand werden dem Gegenüber Ohnmachtsgefühle zugefügt, die eigentlich bei sich selbst verhindert werden sollen.

Bei allen Selbstschutzstrategien besteht bei einer dauerhaften überhöhten Ausprägung die Gefahr für Depressionen sowie Burnout

Wann springen Abwehrstrategien bei Selbstwertproblemen an?

Die hinderlichen Verhaltens- und Gefühlsmuster entstammen letztlich einer seelischen Not. Alle Abwehrprogramme gehen im Kern auf die altbekannte Erfahrung von Ablehnung, Entwertung, Angriff und Verletzung zurück. Je intensiver und häufiger Erfahrungen dieser Art gemacht wurden, desto ausgeprägter treten bestimmte Muster in Erscheinung.

Alle Erfahrungen, die wir gemacht haben, sind in unserem Zellgedächtnis und als Prägungen in unserem Unterbewusstsein vorhanden und kreisen dort. Jeder Mensch trägt seine lebensgeschichtlichen Verletzungen und Kränkungen mit sich. Begegnen wir bestimmten Personen oder Situationen, können diese als Trigger fungieren, der alte schmerzhafte Gefühle an die Oberfläche drängt, solange sie noch ungelöst sind. Zur Vermeidung dieser Gefühle gehen wir unbewusst in Abwehrprogramme. Dadurch kommt es zu Missverständnissen und Problemen im zwischenmenschlichen Miteinander.

Was sind die Ursachen für ein vermindertes Selbstwertgefühl?

Die ersten Beziehungen, die wir in unserem Leben führen, sind die zu unseren Bezugspersonen, in der Regel den Eltern, aber auch zu Großeltern und anderen Verwandten, Geschwistern, Freunden, Erziehern und Lehrern. In diesen Beziehungen kann es im Laufe des Lebens zu Verletzungen kommen (körperlich, verbal, energetisch), die ihre Abdrücke in der Seele hinterlassen.

Verletzende Verhaltensweisen von Bezugspersonen

  • Liebesentzug und Liebeszurückweisung (Entzug von Zuneigung, Aufmerksamkeit, Interesse)
  • Missachtung
  • Entwertung
  • Demütigung
  • Isolierung
  • Abwertung
  • schlagen, anschreien
  • fehlende Präsenz (physisch, emotional, energetisch)
  • Ignoranz
  • Neid auf das Kind, Neid auf die Stärken des Kindes
  • Ändern wollen der Persönlichkeit des Kindes
  • Überschüttung mit Lob
  • einengende, eingrenzende Liebe
  • Vereinnahmung
  • dem Kind vermitteln, es sei grandios, müsse nur sagen, was es will und braucht, um in der Welt zu bestehen
  • Alkoholismus, Drogenkonsum
  • frühe Trennungen und Verluste (Scheidung der Eltern, Krankenhausaufenthalte, Tod einer Bezugsperson)
  • übermäßiges und altersunangemessenes Bestrafen
  • übermäßige Belehrungen und Vorschreibungen
  • überhöhte Erwartungen und Forderungen
  • andere Menschen für wichtiger nehmen (andere Familienmitglieder oder Fremde)
  • alleinlassen, das Kind sich selbst überlassen
  • Ablehnung (auch unbewusste Ablehnung, weil beispielsweise kein Kinderwunsch bestand oder das Kind mit dem “falschen“ Geschlecht zur Welt kam)
  • Beleidigungen und Beschämung
  • übermäßige Kontrolle
  • Kind als Ersatz für den Partner nehmen
  • patriarchale Erziehung
  • an Bedingungen geknüpfte Zuneigung
  • dem Kind nichts zutrauen, es keine eigenen Erfahrungen machen lassen
  • überängstliches Verhalten
  • Fähigkeiten und Stärken nicht fördern
  • den eigenen Willen des Kindes unterbinden
  • seelische Erkrankungen eines Elternteils
  • Alkoholkrankheit in der Familie
  • unter Druck setzen bis hin zu Zwang
  • überhöhte, nicht altersangemessene Leistung fordern
  • ständig Fehler vorhalten
  • dem Kind die Schuld geben

Parentifizierte Kinder

Kinder, die ganz oder zeitweise selbst die Elternrolle übernommen haben, besitzen ein enormes Maß an Kraft, Stärke und Einfühlungsvermögen und haben hohe Verantwortung bewiesen. Sie sind oft die „Sozialarbeiter der Familie“, haben die dysfunktionalen Seiten ihrer Eltern früh (unbewusst) erspürt und haben die Rollen im Familiensystem übernommen, die nicht besetzt waren. So sind sie z. B. Partnerersatz für einen Elternteil, übernehmen Elternfunktionen für sich selbst und für jüngere Geschwister, sind Versorger, Ratgeber, Therapeut, Vermittler, Schiedsrichter für die eigenen Eltern/einen Elternteil. Die Rollen sind nicht kindgerecht und extrem überfordernd für das Kind. Diese dysfunktionalen Beziehungsdynamiken der prägenden Kindheitsjahre sind sehr häufig der Schlüssel für ungesunde Beziehungsmuster als Erwachsener.

Menschen mit diesen Erfahrungen waren als Kind gezwungen, eigene Empfindungen und Bedürfnisse zu unterdrücken und lernten, diese zu ignorieren und auszublenden. Diese Menschen haben daher oft Schwierigkeiten in ihrer Selbstsicherheit und Identitätsfindung (beispielsweise in der Klarheit über ihre Individualität oder ihren Beruf) und dem angemessenen Setzen von eigenen Grenzen gegenüber anderen.

Wurden diese Menschen für ihre Rolle nicht gewürdigt und anerkannt, gar noch abgewertet (drohender Liebesentzug, Beziehungsabbruch, Suizid eines Elternteils, Manipulation durch Schuldgefühle), neigen sie zu Depressionen, wenn sie sich in ihrem weiteren Leben gehäuft in ähnlichen Situationen und Überforderungsgefühlen wiederfinden. Sind sie für ihre nicht entwicklungsentsprechende Rolle gelobt und bestätigt worden („Was würde ich nur ohne dich machen?“), neigen sie später im Berufsleben zu Burnout & Erschöpfung und können depressiv werden, wenn alle Bemühungen ins Leere gelaufen sind. Gefühlsmuster sind hier: Gefühle von Grandiosität („ohne mich geht es nicht“), gleichzeitig aber das Gefühl zu bluffen und die Rolle nicht ausfüllen zu können, Unfähigkeit, sich auf andere zu verlassen und zu vertrauen, Überforderung, Angst zu scheitern und Probleme mit Konkurrenz.3

Ab und zu verliert jeder Mensch die Beherrschung. Auch Eltern, die ihre Rolle angemessen erfüllen, handeln zuweilen emotional und reaktiv wie oben beschrieben. Verletzungen und Kränkungen liegen in der Natur menschlicher Beziehungen. An diesen Gegebenheiten wachsen und entwickeln wir uns weiter. Entscheidend für den Einfluss auf den Selbstwert ist, zu welchem Ausmaß, in welcher Heftigkeit und Häufigkeit verletzende Verhaltensweisen aufgetreten sind und ob und wie viel grundsätzlich an Liebe, Fürsorge und Unterstützung von außen für das Kind da waren. Es liegt in der Natur des Kindes, seine Eltern zu lieben. Das verletzende Verhalten wird im Kind unterbewusst mit Liebe verkoppelt. Gleichzeitig nimmt es das Fehlverhalten persönlich. Diese Konstellation kann im Erwachsenenalter zu Problemen führen.

Was für den einen eine tiefe Kränkung ist, bedeutet für den anderen keine große seelische Verletzung. Dies ist auch abhängig vom Wesen des Kindes und seiner individuellen Empfindlichkeit. Entscheidend ist, dass die Bezugsperson(en) dem Kind subjektiv nicht das geben konnte(n), was es individuell für ein gesundes Selbstwertgefühl gebraucht hätte.

Abgespaltene Gefühle und abgespaltene Seelenanteile

Hat ein Mensch bestimmte Kränkungen, Beschämungen und Verletzungen als sehr stark empfunden und blieb er damit auf sich allein gestellt und dementsprechend überfordert, schützt sich die Seele, indem sie Gefühle oder ganze Seelenanteile abspaltet und sie ins Unterbewusstsein verdrängt. Diese sind wie ein eingefrorener blinder Fleck und reifen nicht mehr mit. Wenn die Verletzungen nicht nachträglich verarbeitet und die abgespaltenen Gefühle und Seelenanteile nicht wieder integriert werden, reagiert das verletzte innere Kind, das fühlt wie damals und sich aus dem Unterbewusstsein meldet, anstelle des reifen Erwachsenen.

Es gibt besonders sensible Phasen in unserem Lebensweg, in denen es zwangsläufig zu vermehrten Verletzungen und Kränkungen kommt. Unsere Persönlichkeitsentwicklung und das Fundament unseres Selbstwerts hängen ganz wesentlich von der Art ab, wie diese großen Phasen erlebt werden. Negative Erfahrungen in diesen Zeiten wiegen besonders stark auf das Selbstwertgefühl. Dies sind neben der vorgeburtlichen Phase im Mutterleib und der Geburt vor allem die ersten 3 Lebensjahre, aber auch darüber hinaus die Kindheitsjahre sowie die Pubertät.

Auch Umbruchsphasen, wie z. B. der Berufsstart, Heirat, die Geburt eines Kindes bis hin zum Bewusstwerden der eigenen Endlichkeit (Midlife-Crisis, Empty-Nest-Syndrom, Eintritt ins Rentenalter), sind empfindlichere Lebensphasen.

Übertragene und projizierte negative Gefühle

Während der Therapiesitzungen zeigt sich bei vielen Menschen, dass es sich bei bestimmten negativen Gefühlen nicht nur um die eigene Trauer, Angst, Scham oder Wut handelt, sondern die Gefühle unbemerkt von einer/mehreren Bezugsperson(en) auf das Kind übertragen wurde(n).

Übertragungen passieren zum Beispiel, wenn Kinder die Gefühle ihrer Bezugsperson wahrnehmen, aber nicht einordnen können und sie infolgedessen auf sich selbst beziehen. Darüber hinaus kann es auf Seiten der Bezugspersonen zu Projektionen kommen. Eigene negative Gefühle, die der Erwachsene bei sich wahrnimmt, aber nicht anerkennt und zulässt, werden auf das Kind projiziert. Beispielsweise werden dem Kind Launenhaftigkeit, übermäßige Empfindlichkeit, Unzulänglichkeiten, Ängstlichkeit oder „Wildheit“ unterstellt, die sich die Bezugsperson selbst nicht erlaubt. Unbewusst versucht der Klient/die Klientin nun in vielen Fällen, den Konflikt, der diese Gefühle bei der Bezugsperson auslöste, für die Bezugsperson zu lösen. In der Therapie können diese Übertragungen in aller Regel gut gelöst werden.

Was sind die langfristigen Folgen eines verminderten Selbstwerts?

Wenn das seelische Fundament in der Kindheit Risse und Brüche erlitten hat, kann der Mensch in seinem weiteren Leben vermehrt an Personen und in Situationen geraten, die für ihn verletzend und einschränkend sind. Das sind Partner, Freunde, Lehrer, Situationen im Beruflichen und Privaten. Verletzungen und negative Gefühle werden als langfristige Folge auch von Generation zu Generation weitergegeben. Zum einen, weil sie im Zellgedächtnis gespeichert sind und genetische Abdrücke hinterlassen, die vererbt werden können, zum anderen, weil negative Gefühle - wie oben beschrieben - übertragen werden oder durch verletzende Umgangsmuster mit den eigenen Kindern.

Jeder Mensch strebt nach Heilung und Vervollständigung. Daher binden wir uns unbewusst immer wieder an Personen oder Situationen, die ein ähnliches und uns bekanntes Muster aufweisen wie das unserer Kindheit und unserer Bezugspersonen - solange, bis die inneren Konflikte gelöst und verborgene Sehnsüchte und Wünsche erfüllt werden. Wir binden uns auch unbewusst an Menschen, die ein ähnliches Selbstwertgefühl und ähnliche Verletzungen erlebt haben. Nicht selten sehen Menschen dann im anderen einen Seelenverwandten, mit dem er/sie sich eine tiefe Bindung und Heilung erhofft. Das Problem dabei ist, dass andere Menschen die inneren Forderungen und Wünsche nicht befriedigen können, weil sie selbst über keine reifen Gefühls- und Verhaltensweisen verfügen und weil es auch nicht ihre Aufgabe ist, unsere alten und tiefen Wunden zu heilen. Zufriedenheit entwickelt sich im Menschen selbst und innerhalb seines persönlichen Entwicklungs- und Reifeprozesses. Im besten Falle haben wir dabei positive und wohlwollende Wegbegleiter an unserer Seite.

Werden die eigenen negativen Gefühle und Verhaltensweisen und die dahinter liegenden seelischen Wunden nicht angeschaut und aufgearbeitet, ergibt sich daraus ein destruktiver Kreislauf. Konflikte und Krisen, die irgendwann in Depression und Burnout oder körperlichen Krankheiten münden, können die Folge sein oder es kommt zum erhöhten Rückzug und Vermeidung von Situationen und Menschen, die das eigene Leben immer mehr einschränken.

Selbstwertprobleme sind Blockaden, die verhindern, in die Gelassenheit, Kraft und Integrität zu kommen. Sie schränken das Leben und den Lebensfluss ein, verhindern Wertschätzung, Wachheit und Klarheit für das, was da und gut ist. Selbstwertprobleme blockieren nährende und bereichernde Beziehungen, einen offenen und klaren Blick sowie persönliche Chancen und Weiterentwicklung.

Selbstwertgefühl und Hypnose: Therapie und Behandlung

Was es braucht ist die Bereitschaft zu einer ehrlichen Rückschau auf die eigene Vergangenheit. Wie wurden die Eltern wahrgenommen, die Geschwister, die Rolle im Familiensystem? Durfte diese Rolle selbst gewählt werden oder wurde sie zugewiesen oder aufgezwungen und wenn ja, aus welchen bekannten Gründen? Wie wurde die Schulzeit erlebt und die weiteren Lebensetappen? Der Selbstwert ist keine fixe Größe und die Selbstwertschätzung kann während des Lebens zahlreichen Umbrüchen unterliegen.

In der Regel kommen Klienten mit klaren Zielen für bestimmte Lebensbereiche in die Praxis. In den Sitzungen setzen sie sich mit konkreten Situationen aus ihrem Beziehungs- und/oder Berufsleben und den damit einhergehenden belastenden Gedanken und Gefühlen auseinander. Mithilfe einer Kombination aus Hypnose und Verhaltenstherapie unterstütze ich dabei, Klarheit über den Ursprung dieser Gefühls- und Gedankenmuster zu erhalten und deren Auslöser tiefgehend zu verarbeiten.

Mit Werkzeugen der Verhaltenstherapie wird analysiert, um welche negativen Gedanken und Emotionen es sich konkret handelt, während die Hypnose dazu dient, die dahinterliegenden negativen Gefühle zu identifizieren, aufzuarbeiten und dauerhaft zu lösen. Entfernt wird die Wurzel des Übels, die in sehr vielen Fällen in der Kindheit und Jugend liegt. Verdrängte und abgespaltene Gefühle und Seelenanteile können wieder integriert werden. Um negative Emotionen dauerhaft zu verarbeiten, muss nicht jede Situation im Einzelnen noch einmal gefühlt und wahrgenommen werden, sondern es treten die Gefühle und Erfahrungen auf, die zum jetzigen Zeitpunkt für das Problem relevant und dran sind. Meine Arbeitsweise ist sehr individuell auf den jeweiligen Klienten bezogen, weil jeder eine andere Geschichte hat. Meine Methode erlaubt, negative Gefühls- und Gedankenmuster umzustrukturieren und neue Handlungsspielräume zu eröffnen.

Die Psychotherapie bei Selbstwertproblemen kann helfen, klarer zu sehen und das größere Bild zu verstehen. Sie unterstützt dabei, in Alltagssituationen ohne belastende emotionale Ladung zu reagieren und persönliche Grenzen in angemessener Weise zu setzen. Dadurch können Sie freier, bewusster und authentischer leben, mehr Integrität entwickeln und Verantwortung für die eigenen Entscheidungen übernehmen.

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