Angsttherapie: Ängste, Phobien und Panik mit Hypnose überwinden

Ängste gehören zu unserem menschlichen Dasein. Sie signalisieren Gefahr und warnen uns als Schutz vor Bedrohungen. Oft tritt Angst jedoch in Situationen auf, die in der Realität keine Gefahr darstellen. Die Angstsymptome sind dabei nicht sinnlos und haben vielfältige Hintergründe. Die Wurzel der Angst liegt meist in der persönlichen Lebensgeschichte und individuellen Prägungen. Hypnose bietet die Möglichkeit, die Angst als Ressource zur Neujustierung und Veränderung zu nutzen.

Wenn sich Sorgen oder Zweifel im Alltag zu Ängsten manifestiert haben, dann ist dies ein Zeichen dafür, dass eine persönliche Grenze überschritten ist und dass wir uns in einer Situation befinden, der wir uns noch nicht gewachsen fühlen.

Gegen die Angst zu kämpfen oder sie zu verdrängen stellt sich auf Dauer als anstrengend und sinnlos heraus. Hilfreicher ist es, die Angst als Ressource für Entwicklungsmöglichkeiten zu nutzen. Erst wenn sie angenommen und angeschaut wird, kann sie nach und nach bewältigt werden und eine neue persönliche Freiheit entwickelt sich.

Anzeichen und Symptome bei Ängsten

Körperliche Symptome der Angst

  • Engegefühl in der Brust bis hin zu Brustschmerzen
  • Herzklopfen bis hin zu Herzrasen
  • Knoten im Hals bis hin zu Erstickungsgefühlen
  • Mundtrockenheit
  • Schluckbeschwerden
  • Zittern
  • Schwindel
  • Schwächegefühle
  • Vermehrter Harndrang
  • Schwitzen
  • Erröten
  • Kopfschmerzen
  • Magenschmerzen

Psychische Symptome der Angst

  • Gefühle von Unsicherheit und Unfähigkeit
  • Gefühl von Bedrohung und Gefahr
  • Erhöhte Alarmbereitschaft
  • Vertrauen in eigene Kräfte ist vermindert oder fehlt
  • Viele Situationen werden als negativ im Sinne von gefährlich eingestuft Die Aufmerksamkeit ist vermehrt auf Situationen und Menschen gerichtet, die bedrohlich sein könnten
  • Erlebnisse werden so interpretiert, dass sie in individuelle Theorien von Ängsten passen. Diese Erlebnisse werden erinnert, andere gegenteilige Erlebnisse treten in den Hintergrund und werden schnell vergessen
  • Gefühl, die Kontrolle über sich zu verlieren oder wahnsinnig zu werden
  • Gedanken an Kontrollverlust
  • Vermeidung angstauslösender Situationen

Angstsymptome treten häufig in Verbindung mit anderen seelischen Leiden auf, zum Beispiel mit Depressionen, Burnout oder Selbstwertproblemen.

Die Hauptursachen der Angst lassen sich wirkungsvoll verarbeiten, wenn wir unseren Ängsten in einem sicheren Rahmen bewusst begegnen. Wenn uns die Angst in Aktion treten lässt, dann bedeutet das einen Entwicklungs- und Reifeschritt für uns.

Wenn wir angstauslösende Situationen verdrängen und vermeiden, Ängste überspielen, leugnen oder betäuben und uns nicht mit ihnen auseinandersetzen, dann werden wir in unseren Handlungen gehemmt und wir können in die Stagnation geraten. In diesem Fall lähmt uns die Angst oder führt zu blindem und unüberlegtem Aktionismus oder mündet in plötzlich auftretender Panik.

Dies führt auf Dauer meist zu beruflichen und privaten Problemen. Die Angst bleibt weiterhin existent und kann sich von unserem Inneren latent auf äußere Gegebenheiten verlagern, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Hypnosetherapie bei Phobien

Bei der Phobie bestehen innerliche Auslöser von Angst, die auf etwas im Außen verlagert werden.

Spezifische Phobien

Flugangst

Die Angst vorm Fliegen hat unbewusst in der Regel mit der Angst vor Kontrollverlust zu tun. Im Flugzeug und während eines Fluges liegen die Dinge nicht in unserer Hand. Wir brauchen Vertrauen, in den Piloten, die Technik, letztlich in unser eigenes Schicksal.

Die Flugangst kann bereits beim Gedanken ans Fliegen auftreten, vor dem Flug, während des Starts oder während des Fluges oder in allen genannten Situationen. Flugangst lässt sich mit Hypnose in den meisten Fällen gut und mit nur wenigen Sitzungen behandeln.

Prüfungsangst

Prüfungsängste sind für Betroffene sehr belastend und können vor und während einer Bewertungssituation auftauchen. Obwohl die Prüflinge sehr gut auf die Prüfung vorbereitet sind, besteht dennoch die Angst zu versagen und die Aufgaben nicht bewältigen zu können, den Anforderungen nicht gerecht zu werden, einen Blackout zu bekommen und sich zu blamieren.
Vergrößert wird die Angst meist durch strenge oder unfaire Prüfer.

Prüfungsangst kann mit Hypnose sehr gut bewältigt werden, sodass eine natürliche Nervosität vor einer Prüfung bleibt. Diese blockiert dann nicht, sondern begünstigt die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit.

Spinnenphobie

Auch hier kann bereits der Gedanke an eine Spinne Angst und Panik auslösen. Die Reaktion auf eine Spinne kann mit Herzrasen, Atemnot und Schweißausbrüchen einhergehen.

Spinnenangst ist häufig erlernt und hängt mit unbewussten Konditionierungen und Prägungen zusammen. Spinnen werden gemeinhin mit negativen Emotionen und Gedanken verknüpft und im Unterbewusstsein oft mit Gefahr, Ausgeliefertsein, Hilflosigkeit und Unberechenbarkeit assoziiert.
Die Spinnenphobie kann mit Hypnose in den meisten Fällen mit wenigen Sitzungen gut behandelt werden.

Höhenangst

Bei der Höhenangst handelt es sich in der Regel um eine unnatürliche Angst vor Höhen, insbesondere vor dem damit verbundenen Blick in die Tiefe. Sie geht einher mit der Angst, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Auch sie geht mit Schweißausbrüchen, Herzrasen und Schwindel sowie Gefühlen des Gelähmtseins und Kontrollverlusts einher.

Ein gewisser Respekt vor Höhen ist dem Menschen angeboren. Behandlungsbedürftig wird die Höhenangst, wenn sie das berufliche und private Leben stark einschränkt und zur persönlichen Belastung wird. Die Erfolgsquote bei Höhenangst mit der Behandlung von Hypnose ist in der Regel gut.

Redeangst

Jeder Mensch ist einmal aufgeregt, wenn er vor einer größeren Gruppe von Menschen spricht (Referate, Präsentationen, Vorträge, sprechen in Gruppen). Ist die Angst aber besonders stark und mit trockenem Mund, weichen Knien, Schweißausbrüchen, Erröten, Schwindel und Herzrasen verbunden, handelt es sich um eine Reaktion, die der Situation nicht mehr angemessen ist.

Die Redeangst ist in ihrem Ursprung meist auf die Angst vor Bewertung zurückzuführen. Insbesondere vor Entwertung oder Ablehnung, zu versagen sowie der Furcht, Fehler zu machen und nicht zu genügen. Siehe dazu auch Soziale Phobie und Anzeichen für ein vermindertes Selbstwertgefühl. Diese Ängste lassen sich mit Hypnose in der Regel gut behandeln.

Lampenfieber

Ähnlich wie bei der Redeangst ist es normal vor einem Auftritt aufgeregt zu sein. Diese Anspannung dient der Steigerung von Konzentration und Aufmerksamkeit und verhilft zu höherer Leistungsfähigkeit. Wird Lampenfieber jedoch als sehr einschränkend und hinderlich empfunden, geht es auch hier tieferliegend um die Angst vor Bewertung, insbesondere vor Entwertung oder Ablehnung, und Versagensangst sowie der Angst Fehler zu machen und nicht zu genügen. Siehe mehr zum Thema Selbstwertgefühl.

Dies ist beschämend. Die Scham trifft uns immer als ganze Person und ist ein sehr vernichtendes Gefühl. Auch professionelle Künstler mit langjähriger Erfahrung haben vereinzelt ihr Leben lang Probleme mit übermäßigem Lampenfieber, das dann meist betäubt (Medikamente, Drogen). Lampenfieber lässt sich mit Hypnose wie die meisten Ängste sehr gut behandeln.

Die Angst vor Ablehnung und Bloßstellung – Soziale Phobie

Es besteht Angst davor, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen oder überhaupt Aufmerksamkeit zu erregen und sich lächerlich zu machen. Auf körperlicher Ebene zeigt sich die soziale Phobie beispielsweise durch Schwitzen oder Erröten wie auch Zittern oder Magenprobleme. Dies ist für die Betroffenen mit großer Scham verbunden und sie fürchten, dass andere ihnen ihre Angst ansehen könnten. Hinter der sogenannten sozialen Phobie steht die Furcht davor, abgelehnt, erniedrigt oder kritisiert zu werden.

Die soziale Phobie ist verbunden mit einem beeinträchtigten Selbstwertgefühl und kann einhergehen mit unbewussten Abwehrstrategien, wie zum Beispiel „Sich anpassen und nach Harmonie streben“ als auch „Angriff und Attacke“ oder dem „Streben nach Macht“.

Die Angst vor Menschenmengen, öffentlichen Plätzen, Reisen – Agoraphobie

Insbesondere besteht die Befürchtung, in öffentlichen Situationen die Kontrolle zu verlieren, zum Beispiel ohnmächtig zu werden. Dies macht beispielsweise das Reisen mit Bus, Bahn oder Flugzeug sowie die Nutzung von Fahrstühlen unerträglich. Auch ängstigen sich Betroffene oft, dass etwas Peinliches passiert, zum Beispiel dass sie sich einnässen. Angstauslösende Situationen werden zunächst fluchtartig verlassen und dann gemieden. Hinter der sogenannten Agoraphobie steht die Angst, hilflos zu sein und keine Fluchtmöglichkeit zu haben.

Verlustangst – Die Angst vor Ungeborgenheit und Isolation

Menschen mit Verlustängsten haben das Gefühl, nicht liebenswert zu sein und nicht zu genügen. Sie haben meist ein zum Teil unstillbares Verlangen nach Zuwendung, Verständnis oder Gemeinschaft. Sie neigen in Beziehungen zu Eifersucht, wenn sie sich davon bedroht sehen, die Zuwendung des anderen zu verlieren. In zwischenmenschlichen Beziehungen stellen sie eigene Bedürfnisse oft zurück und richten sich eher nach den Wünschen des Partners/der Partnerin, aus unbewusster Angst vor einem Abbruch der Beziehung.

Die Verlustangst zeigt sich aber nicht nur in zwischenmenschlichen Beziehungen. Auch Situationen, die unbekannt sind, sowie neue Lebens- und Umbruchsphasen können für diese Menschen eine Bedrohung darstellen. Sie können sich dann beispielsweise hilflos, überfordert und auf sich allein gestellt fühlen.

Menschen mit Verlustangst leisten in der Regel unbewusst immer wieder selbst einen Beitrag dazu, verlassen zu werden, weil sie ihr Gegenüber mit zu hohen Forderungen oder Manipulationen unter Druck setzen, denen sich der andere zu entziehen versucht, sie irgendwann nicht mehr erträgt und die Beziehung schlussendlich beendet. Emotionale Manipulationen sind insbesondere klammern, dem anderen Schuldgefühle machen und an die Dankbarkeit appellieren.

Die meisten von Verlustangst Betroffenen haben in ihrer Kindheit eine Reihe ungünstiger Voraussetzungen in Kombination mit einer speziellen Wunde des Verlustes erfahren. Mehr dazu siehe Entstehung und Ursachen von Ängsten. Wenn es im späteren Leben um Verlust in Form von Ablösung, Trennung oder innerer Abnabelung geht, reißen diese alten seelischen Verletzungen wieder auf und führen zu einem destruktiven Umgang mit der Situation. Auffällig ist, dass oft nicht der Verlust an sich starke Emotionen auslöst, sondern der Gedanke daran, also die Angst davor, sowie das Unvermögen, damit umzugehen. Diese Angst und ihre Ursachen lassen sich in der Therapie in aller Regel gut behandeln.

Buchempfehlung: Ulrike Sammer: „Verlustangst und wie wir sie überwinden“.

Bindungsangst – Die Angst vor Autonomieverlust und vor der Hingabe

„Wenn es ernst wird, haue ich ab.“, sagen viele Menschen, die an einer Bindungsphobie leiden. Oder wie der Sänger Robbie Williams in seinem Lied „Feel“ sang: „Before I fall in love, I´m preparing to leave her.“

Betroffene sehnen sich zwar nach Nähe und Zuwendung und eine Beziehung - auch in Form einer langjährigen Partnerschaft oder Ehe mit Kindern - kann bei Bindungsängsten durchaus zugelassen werden. Zwischenmenschliche Beziehungen, die natürlicherweise mit Nähe und Verbindlichkeit verbunden sind, bleiben im Falle der Bindungsangst jedoch stets ambivalent und Distanz wird auf unterschiedliche Art und Weise gewahrt.

Flucht, Angriff und Totstellreflex

Sobald der Wunsch nach Verbundenheit und Geborgenheit in Erfüllung gegangen ist, ziehen sich Betroffene zurück in Form von Flucht, Angriff oder Totstellen. Die Flucht kann sich darin zeigen, keine feste Beziehung einzugehen, sondern es bleibt dann beim Flirt oder einer Affäre. Oder die Nähe wird auf verschiedenste Art und Weise vermieden. So flüchten bindungsängstliche Menschen zum Beispiel in ihre Arbeit oder Hobbies, werden untreu oder brechen die Beziehung abrupt und unvorhersehbar ab.

Nicht selten werden tiefere Gespräche über Gefühle vermieden oder ganz verweigert, da sie Stress auslösen. Eine oft unbewusste Abwehrstrategie ist auch, einen Streit vom Zaun zu brechen, sobald die menschlichen Schwächen und Fehler des Partners ersichtlich werden. Dann wird dem anderen unterschwellig oder offen immer wieder das Gefühl vermittelt, er/sie sei nicht gut genug. Dies ist verbunden mit dem Gedanken, dass ein anderer Partner vielleicht besser wäre. Und so treten nach einer Anfangsphase immer wieder Zweifel am Partner und der Beziehung auf.

Beim Totstellreflex kann der Bindungsängstliche zwar physisch noch präsent sein, er ist aber emotional nicht mehr verfügbar und erreichbar. Bindungsphobiker beschreiben, es wäre, als ob sich ein Schalter umlegte und die Gefühle für den anderen plötzlich nicht mehr vorhanden seien. Bindungsängstliche Partner verhalten sich zuweilen distanziert und ablehnend, können sich oft aber gleichzeitig auch nicht trennen.

Die Angst vor Bindung und Nähe ist den meisten bindungsängstlichen Menschen nicht bewusst. Sie erleben eher ein diffuses Gefühl von Bedrängung und die Befürchtung, sich zu sehr einschränken und verpflichten zu müssen. Es wird ein hoher Freiheitsdrang erlebt, hinter dem auf tieferer Ebene jedoch ein schmerzlicher Wunsch nach Verbundenheit steckt.

Erfahrungen mit den ersten Bindungspersonen

Die Angst vor emotionaler Nähe ist in der Regel mit einem mangelnden Vertrauen und mit Kindheitserlebnissen verbunden, in denen sich das Kind verlassen fühlte (insbesondere in den ersten zwei Lebensjahren) sowie mit der Erfahrung, dass Liebe an Bedingungen geknüpft ist.

Ein Säugling, Kleinkind oder heranwachsendes Kind erlebt Gefühle der Verlassenheit und Unverbindlichkeit (zum Beispiel durch Schreinen lassen, nicht eingehen auf die Bedürfnisse des Kindes, innerlicher Abkehr der Eltern, Verlust eines Elternteils, Wochenbettdepression der Mutter uvm.) als existentiell bedrohlich, da es auf die Fürsorge der Bezugsperson angewiesen ist. Diese Gefühle von Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein werden in das Unterbewusstsein verdrängt und durch den Abwehrmechanismus „Ich brauche eigentlich niemanden“ in Schach gehalten.

Oder/und das Kind musste sich oft auch auf eine entsprechende Art und Weise verhalten, wurde vereinnahmt oder sollte bestimmte Leistungen erbringen. Unbewusst werden Beziehungen, die natürlicherweise mit Erwartungen beim anderen einhergehen, mit Bedrohungen für das Selbst in Verbindung gebracht. Bindungsängstliche haben oft auch bei angemessenen an sie gestellten Forderungen das Gefühl, ihr Ich aufgeben und sich verteidigen zu müssen.

Wird echte Nähe und Intimität dann in späteren Beziehungen erlebt, trägt dies für Betroffene enormes Stresspotential. Denn die Verbindlichkeit und Zugneigung wollen auf der einen Seite zwar zugelassen werden, sind aber gekoppelt mit einem tiefen und in der Regel unbewussten Empfinden, es nicht überleben zu können, verlassen zu werden.

Für Bindungsängstliche ist die Bereitschaft erforderlich, sich in einem professionellen Rahmen mit den Ursprüngen ihrer Angst vor Nähe auseinanderzusetzen und dabei auch behutsam und Schritt für Schritt den als bedrohlich empfundenen Kindheitserfahrungen zu begegnen, um sie zu heilen.

Auswirkungen von Näheangst auf den Partner

Oft entstehen aus Bindungsangst narzisstische Verhaltensweisen. Bindungphobiker handeln vermehrt egozentrisch, übermäßig selbstbezogen, abwertend und treten des Öfteren in selbsterhöhender Weise auf, um eigene Unsicherheiten zu verbergen.

Die Frage, ob die Beziehung eine Zukunft hat, bleibt fast immer. Und so ist es für betroffene Partner eine große Herausforderung und Anstrengung mit einem bindungsphobischen Partner in einer Beziehung zu bleiben. Die Rollen, ob der eine flüchtet oder hinterherrennt, können dabei innerhalb einer Partnerschaft oder zwischen verschiedenen Partnerschaften wechseln.

Menschen, die sich auf eine Beziehung mit einem bindungsängstlichen Menschen einlassen, haben selbst oft das Bindungsproblem einer so genannten „passiven Bindungsängstlichkeit“. Sie erleben die Distanz des Partners als emotionale Achterbahnfahrt, lassen sich vieles gefallen und erfahren starken emotionalen Kontrollverlust, der sich dann in klammern, klagen, drohen oder toben ausdrücken kann. Sie wollen den anderen unbedingt halten und es fällt ihnen schwer, sich aus der Beziehung zu lösen. (siehe auch Verlustangst). Je mehr jedoch versucht wird, den anderen einzufangen und zu binden, desto mehr distanziert sich wiederum der „aktiv bindungsängstliche“ Partner.

Wichtig ist, dass beide Partner wahrnehmen, dass sie ein Problem mit Bindung haben, das verständliche Ursachen hat. Beide müssen bereit und willig sein, negative Episoden ihrer eigenen Geschichte zu heilen. Andernfalls kann die Beziehung auszehrend bleiben und führt nicht in eine zufriedene Partnerschaft auf Augenhöhe. Vielmehr ergibt sich in vielen Fällen ein klassischer Teufelskreis aus Wut und Kränkungen.

Buchempfehlung: Stefanie Stahl: „Jein! – Bindungsängste erkennen und bewältigen“.

Panikattacken

Panikattacken entstehen wie aus dem Nichts heraus, scheinen keinen konkreten Auslöser zu haben und dauern wenige Minuten. Sie können auch in Situationen auftreten, in denen man zur Ruhe kommt. Eine Panikattacke äußert sich vor allem auf der körperlichen Ebene, z.B. durch Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern, Mundtrockenheit, Atembeschwerden oder Übelkeit.
Sie kann einhergehen mit Gefühlen von Schwindel, Angst vor Kontrollverlust, dem Gefühl der Unwirklichkeit (Derealisationserleben) und dem Gefühl der Entfremdung vom eigenen Körper (Depersonalisationserleben) sowie mit panischen Gedanken, gleich ohnmächtig zu werden, einen Herzinfarkt zu erleiden und zu sterben.

Panikattacken sind nicht spezifisch auf eine Situation gerichtet und können als Begleitphänomen z.B. bei Phobien sowie bei Depressionen und Burnout auftreten. Sie sind für Betroffene extrem belastend und ein Zeichen dafür, dass Ängste bereits über einen längeren Zeitraum verdrängt wurden und dementsprechend nicht angemessen verarbeitet werden konnten. Wichtig ist hier zu wissen, dass der Körper bei einer Panikattacke zwar mit heftigen Symptomen reagiert, aber real keine vitale Bedrohung besteht. Das heißt, es besteht während der Angstattacke nicht die Gefahr, ohnmächtig zu werden, einen Herzinfarkt zu bekommen oder zu sterben.

Der Angstkreis

Ängste werden durch einen so genannten „Angstkreis“ aufrechterhalten. Dieser entsteht relativ schnell und wird durch Vermeidung aufrechterhalten. Der Fokus der Aufmerksamkeit und die Energie werden dann dafür aufgebracht, die angstauslösenden Situationen zu vermeiden (Fahrstuhl oder U-Bahn fahren, Menschenmenge, soziale Situation, Nähe usw.), um das unangenehme Gefühl der vermeintlichen Gefahr nicht zu fühlen.

Dadurch ist es Betroffenen jedoch unmöglich, korrigierende Erfahrungen zu machen und zu erkennen, dass die mit Angst belegten Dinge oder Situationen in Wirklichkeit harmlos und nicht gefährlich oder gar lebensbedrohlich sind.

Jede Vermeidungshaltung verfestigt im Unterbewusstsein die Angst aufs Neue und trägt somit zu ihrer Aufrechterhaltung bei. Genauso können negative Erfahrungen aus der Vergangenheit die Ängste aufrechterhalten.

Beispiel Martin:
Martin fühlt sich extrem unbehaglich, wenn er vor anderen Menschen spricht. Er denkt sich dabei, er dürfe jetzt nichts Dummes oder Falsches sagen und hat Angst davor, sich zu blamieren. Allein schon der Gedanke an das Sprechen vor anderen bringt ihn ins Schwitzen und lässt ihn erröten. Während er spricht, ist er vorrangig darauf fixiert, wie peinlich es ist, schon wieder rot zu werden.

Er versucht die Situationen, in denen er vor jemandem reden muss, auf ein Minimum zu reduzieren, was nicht immer möglich ist. Er fängt an, den Schweißausbrüchen und dem Rotwerden immer mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Auch seine Umgebung beobachtet er genauer und glaubt, in vielen Blicken anderer Menschen zu sehen, dass sie ihn für peinlich halten. Jegliche soziale Situationen, wie ein gemeinsames Essen mit Kollegen, das Treffen mit Freunden oder auch neue Kontakte mit Menschen, werden für Martin immer anstrengender und unangenehmer, weil sie mit der Erwartung von einer Blamage verbunden sind. Es beginnt ein Teufelskreis von Vermeidung sozialer Situationen, der Fokussierung auf seine körperlichen Reaktionen und der Beobachtung seiner Umgebung. Dies nimmt ihm jegliche Freude und Unbeschwertheit an zwischenmenschlichen Kontakten und er isoliert sich immer mehr von seinen Mitmenschen.

Entstehung und Ursachen von Ängsten

Alltäglicher Stress (Doppelbelastungen, häufiger Termin und Zeitdruck, kleine oder viele Kinder, Pflege von Angehörigen, großer Haushalt usw.), Burnout, Lebenskrisen und andere seelische Belastungen sind oft psychische Ursachen. In der Regel gab es bereits in der Vergangenheit emotionale Ausnahmesituationen.

Bedrohliche Krankheitsdiagnosen, Erkrankungen des Nervensystems, Medikamente, Alkohol und Drogen sind häufige körperliche Auslöser für Angsterkrankungen.

Ängste können bereits in frühen Phasen der Kindheit entstehen, aber auch in der Kindheit und Jugend allgemein. Oft geht es ursprünglich um innere gegensätzliche Bestrebungen von Autonomie und Abhängigkeit. Der Wunsch nach Selbstständigkeit, Selbstwirksamkeit und Unabhängigkeit ist in einem Kind genauso stark vorhanden, wie die Angst davor, von seinen Bezugspersonen getrennt zu sein, weil dies für ein Kind eine gefühlte existenzielle Bedrohung bedeuten kann.

Werden Kinder und Jugendliche in ihrem Bedürfnis, sich auszuprobieren, bereits früh eingeschränkt oder beschämt oder sind sie zu früh und zu häufig auf sich allein gestellt, verlassen, überfordernden, gefährlichen oder lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt, dann kann dies unbewusste Ängste verankern, die sich im späteren Leben in Situationen zeigen, die vordergründig nichts mit den angstauslösenden Ursachen zu tun haben.

Angstauslösende Verhaltensweisen von Bezugspersonen

  • Ängstlichkeit in der Familie: Es herrschte Pessimismus oder „Weltuntergangsstimmung“. Alltägliche Gegebenheiten wurden dramatisiert. Dem Kind wurde nicht vorgelebt, wie sich Aufregung oder Angst, allgemein Gefühle, die zum Leben dazugehören. regulieren lassen.
  • Zu viel Enge, übermäßige Nähe: Das Kind hatte stets Rückmeldungen zu geben, wo es war und was es tat, beispielsweise durch mehrere Telefonanrufe pro Tag. Es gab zu wenig Raum für die eigene Entwicklung.
  • Trennungserlebnisse von Bezugspersonen, die Sicherheit gaben und Führung übernahmen (Liebesentzug, Alleinlassen, Weggeben des Kindes, Scheidung, Krankenhausaufenthalte, Beziehungsabbruch, Abwesenheit oder Tod einer oder mehrerer Bezugspersonen)
  • Bedürftige, überforderte, hilflose, psychisch erkrankte Bezugspersonen: Es herrschte ein Mangel an kreativen und verschiedenen Lösungsmöglichkeiten für Alltagsprobleme und herausfordernde Lebenssituationen. Oder das Kind musste eigene Bedürfnisse zurückstellen und sah sich mit Situationen konfrontiert, mit denen es überfordert war, z.B. musste es selbst Elternrollen für sich oder Geschwister übernehmen (siehe auch Parentifizierte Kinder).
  • Fehlende Sensibilität in der Familie: Bezugspersonen haben kindliche Gefühle von Verunsicherung und Bedürfnisse nach Nähe, Ruhe und Schutz nicht emphatisch wahrgenommen und sind nicht altersgerecht darauf eingegangen. Natürliche und altersgerechte Ängste des Kindes wurden ignoriert und heruntergespielt. Kindliche Probleme wurden nicht erkannt.
  • Beschämung und Bedrohung des Kindes, z.B. durch schlagen, anschreien, erniedrigen, demütigen, klein machen, ignorieren, vor anderen schlecht machen, abwerten
  • Allgemein dominantes, verletzendes Verhalten von Bezugspersonen in Form von übermäßigen Belehrungen, Forderungen, Maßregelungen, Vorwürfen, Aufweisen von Fehlern, das Kind einengen und einschränken in seiner Autonomie und seinem Wunsch nach Selbstentfaltung und Selbstwirksamkeit, Manipulation durch Schuldgefühle
  • Lebensbedrohliche Situationen (z.B. Unfälle, Übergriffe)

Übertragene Ängste

Eine andere Möglichkeit der Entstehung von Ängsten ist die Übertragung. Sind eine oder mehrere Bezugspersonen aufgrund eigener negativer Erfahrungen ängstlich, kann sich dies auf das Kind übertragen. Das Kind nimmt die Furcht bei seinen Bezugspersonen sehr genau wahr, auch wenn sie nicht verbalisiert wird. Die Lebenshaltung und Handlungen der Bezugspersonen vermitteln dem Kind, dass die Welt bedrohlich und kein sicherer Ort ist.
Darüber hinaus können sich Ängste auch von Generation zu Generation übertragen.
Wurden in einer Familie starke Traumata erlebt, dann speichern sich die damit verbundenen negativen Gefühle im Zellgedächtnis ab und können weitervererbt werden. Ganz klassisch ist dies beispielsweise bei Nachkriegsgenerationen.

Um Ängste zu formen, ist es entscheidend, wie vergangene Erlebnisse und Verhaltensweisen der Bezugspersonen vom Kind individuell wahrgenommen und interpretiert worden sind. Im weiteren Leben reicht es dann aus, dass etwas im Außen unbewusst mit früheren angstbesetzten Erfahrungen in Verbindung gebracht wird. Auch wenn etwas faktisch nicht bedrohlich ist, treten im Alltag körperliche und psychische Angstanzeichen auf. Den Betroffenen ist in den meisten Fällen bewusst, dass die Situationen, in denen die Ängste auftreten, in der Realität keine Gefahr darstellen. Trotzdem ist es ihnen nicht möglich, die Angstgefühle loszuwerden, weil sie mit dem reinen Verstand nicht zu bewältigen sind.

Angstbewältigung mit Hypnose

In den meisten Fällen haben Ängste eine gute Behandlungsaussicht. Die größte Hürde ist für viele Menschen der Schritt in die Auseinandersetzung mit der Angst, also die Angst vor der Angst. Eine Psychotherapie ist die wichtigste Möglichkeit der Angstverarbeitung und bietet zudem eine zukünftige Vorlage für eine eigene angemessene Herangehensweise zur Bewältigung von Ängsten, die jeder Mensch immer mal wieder durchlebt. Mutig ist nicht, wer keine Angst hat, sondern wer trotz der Angst handelt und ihr entgegen tritt.

Die Hypnosetherapie kann insbesondere bei Ängsten sehr positive Resultate erzielen. Zunächst geht es darum, angstauslösende Gedanken zu erkennen und der Angst dann in einem sicheren Rahmen zu begegnen, um individuelle Lösungen zu finden, sich aus der Angst zu befreien. Betroffene können in der Hypnose dadurch selbst aktiv werden.

Anders als in der klassischen Verhaltenstherapie, konfrontieren sich die Betroffenen in Hypnose und in einem sicheren Raum mit der Angst. Kein Gefühl dauert ewig und in der Hypnose lösen sich Angstgefühle in der Regel schneller und auf eine „sanftere“ Art und Weise als in einem Wachtherapieverfahren.
In den Hypnosesitzungen gehen Sie nur so tief in die Hypnose, wie es für Sie richtig ist. Meist lässt sich bereits in einer flachen Trance gut mit Ängsten arbeiten und die meisten Klienten, die mit Ängsten in die Praxis kommen, erreichen schnell eine für sie passende Trancetiefe.

Durch die Hypnose lassen sich auch die individuellen Ursachen der Ängste ergründen und tiefgehend verarbeiten. Dadurch werden Angstgefühle in den zuvor problematischen Situationen nicht mehr ausgelöst und es fällt im weiteren Verlauf auf natürliche Weise leichter, neue Bewältigungsformen in der Begegnung mit Befürchtungen anzuwenden.

Mithilfe der Verhaltenstherapie lassen sich daraufhin durch Befürchtungen verzerrte Wahrnehmungen im Alltag schnell erkennen und beseitigen, sodass Situationen und Beziehungen insgesamt freier und unbeschwerter erlebt werden können.



Hinweis: In meiner Praxis werden leider keine Zwänge behandelt.

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