Mithilfe bildgebender Verfahren wie der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) können Wissenschaftler heute genau zeigen: Hypnose ist ein realer, messbarer Zustand im Gehirn, der weit über bloße Entspannung hinausgeht. Was passiert in unserer Schaltzentrale, wenn sich unser Bewusstsein öffnet und wir in einen Trancezustand gehen?
Hypnose – Ein erweiterter Bewusstseinszustand
Im Zustand der Trance ist unser Gehirn in bestimmten Bereichen hochaktiv. Es handelt sich um einen Zustand fokussierter Aufmerksamkeit, der dem Moment ähnelt, in dem man vollkommen in einem spannenden Buch oder Film versinkt und die Welt um sich herum vergisst. Während die Außenwelt in den Hintergrund rückt, richtet sich der Scheinwerfer des Bewusstseins stark nach innen. Zum Beispiel auf Körperempfindungen, innere Bilder, abstrakte Wahrnehmungen oder Suggestionen.
Untersuchungen im Hirnscanner zeigen drei wesentliche neurobiologische Veränderungen während der Hypnose:
- Der kritische Verstand macht Pause
Im Alltag filtert unser Stirnhirn (der präfrontale Cortex) jede Information: „Ist das logisch? Macht das Sinn? Was sind die Konsequenzen?“ Unter Hypnose fährt diese kognitive Kontrollinstanz ihre Aktivität messbar herunter. Das Gehirn wird empfänglicher für neue Perspektiven und Suggestionen, da der innere Kritiker nicht die Einwände erhebt, die im normalen Wachzustand permanent präsent sind. - Das „Ich-Gefühl“ tritt in den Hintergrund
Wir besitzen ein Netzwerk im Gehirn (das sogenannte Ruhezustandsnetzwerk oder Default Mode Network), das immer dann aktiv ist, wenn wir über uns selbst nachgrübeln. In tiefer Trance wird dieses Netzwerk umgegangen. Man kreist in diesem Moment nicht mehr um akute Probleme oder macht sich darüber Gedanken, was andere denken könnten – das löst Blockaden und lässt die Intuition und innere Wahrheit freier fließen, sodass unter Hypnose Lösungen gefunden werden können, auf die man im Alltag gar nicht kommt. - Brücke zwischen Geist und Körper und Geist und Seele
Gleichzeitig verstärkt sich die Kommunikation zwischen den Hirnarealen, die unsere Aufmerksamkeit steuern, und jenen Regionen, die Vorgänge im Körper regulieren. Das ist der Grund, warum mentale Bilder unter Hypnose eine starke positive körperliche und emotional-mentale Wirkung entfalten können. Auch der Übergang vom Trancezustand in die Meditation ist fließend.
Inneres Wissen und Suggestionen können zu Heilzwecken genutzt werden
Wie mächtig dieser Zustand ist, zeigt zum Beispiel die Schmerzforschung: Wird einer Person unter Hypnose suggeriert, sie halte ihre Hand in heißes Wasser, aktivieren sich im Gehirn exakt dieselben Schmerzareale wie bei echtem Schmerz. Das bloße Vorstellen von Schmerz im normalen Wachzustand schafft das nicht.
Das Gehirn unterscheidet in tiefer Trance also nicht mehr zwischen einer äußeren Realität und einer inneren Vorstellung. Diese Eigenschaft nutzt die Medizin und Hypnosetherapie schon seit langer Zeit erfolgreich aus.
So werden beispielsweise unter Schmerztherapie schmerzkritische Signale im Gehirn blockiert oder umgeleitet. In der Psychotherapie dient die Hypnose dazu, das Stresszentrum (Amygdala) zu beruhigen, erfahrene Traumata zu verarbeiten und auch sehr alte destruktive Muster im Fühlen, Denken und Handeln zu verändern. Insbesondere in der Arbeit mit dem inneren Kind kann Hypnose sehr gute Therapieergebnisse erzielen.
Neue neuronale Wege lassen sich dank der Neuroplastizität des Gehirns leichter verankern. Daher kann die Hypnose insbesondere bei Selbstwertproblemen, Depression, Erschöpfungszuständen oder Ängsten tiefgehend unterstützen.
Neurowissenschaftlich betrachtet ist Hypnose wie ein Software-Update für den Kopf: Der störende Hintergrund-Scanner (das rationale, zweifelnde Denken) wird kurzzeitig pausiert, damit tiefere neuronale Prozesse neu geordnet werden können.
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